I Ging für Anfänger: Was sind die Acht Trigramme?
Einleitung
Die Acht Trigramme (Bagua) sind das zentrale Symbolsystem des I Ging (Buch der Wandlungen) und eines der ältesten, tiefgründigsten Denkwerkzeuge der chinesischen Kultur. Mit einfachsten Linien schaffen sie eine Sprache, um die Gesetzmäßigkeiten des Universums zu erklären. Für I-Ging-Anfänger ist das Verständnis der Trigramme der erste Schlüssel.
1. Von Yin und Yang zu den Acht Trigrammen
Der Ausgangspunkt der Trigramme ist Yin und Yang.
Die Alten beobachteten die Natur: Tag und Nacht, Kälte und Wärme, Männlich und Weiblich, Bewegung und Ruhe... Alles scheint in gegensätzlicher Einheit zu existieren. Daher symbolisierten sie Yang mit einer durchgehenden Linie "—" und Yin mit einer unterbrochenen Linie "--". Dies sind die Zwei Grundkräfte (Liang Yi).
Durch schichtweises Hinzufügen entstehen weitere Ebenen:
- Zwei Grundkräfte (Yin, Yang) → 2 Kombinationen
- Je eine weitere Linie über den Grundkräften → Vier Bilder (Tai Yang, Shao Yin, Shao Yang, Tai Yin) → 4 Kombinationen
- Je eine weitere Linie über den Vier Bildern → Acht Trigramme → 8 Kombinationen
So heißt es im Xici-Kommentar des I Ging:
"Das I Ging hat das Taiji, das die zwei Grundkräfte hervorbringt; die zwei Grundkräfte bringen die vier Bilder hervor; die vier Bilder bringen die acht Trigramme hervor."
Jedes der acht Trigramme besteht aus drei Linien (Yao) – von unten nach oben angeordnet, symbolisieren sie die Drei Kräfte: Erde, Mensch, Himmel.
2. Namen, Symbole und Bedeutungen der Trigramme
Jedes Trigramm hat seinen Namen, seine Form und seine Symbolik. Der Gelehrte Zhu Xi aus der Song-Dynastie verfasste ein Merkgedicht, die "Bagua Quxiang Ge":
| Trigramm | Pinyin | Symbol | Merkspruch | Natur | Familie | Eigenschaft | |---|---|---|---|---|---|---| | Qian | qián | ☰ | Qian drei durchgehend | Himmel | Vater | Stärke / Schöpferkraft | | Kun | kūn | ☷ | Kun sechs unterbrochen | Erde | Mutter | Hingabe / Empfänglichkeit | | Zhen | zhèn | ☳ | Zhen aufrechte Schale | Donner | Ältester Sohn | Bewegung / Anregung | | Xun | xùn | ☴ | Xun unten unterbrochen | Wind | Älteste Tochter | Eindringen / Sanftheit | | Kan | kǎn | ☵ | Kan Mitte voll | Wasser | Mittlerer Sohn | Abgründig / Gefahr | | Li | lí | ☲ | Li Mitte hohl | Feuer | Mittlere Tochter | Anhaftend / Klarheit | | Gen | gèn | ☶ | Gen umgedrehte Schale | Berg | Jüngster Sohn | Stillstand / Ruhe | | Dui | duì | ☱ | Dui oben offen | See/Sumpf | Jüngste Tochter | Heiterkeit / Freude |
Erklärung der Merksprüche:
- Qian drei durchgehend: Drei durchgehende Yang-Linien ☰, vollkommen wie der Himmel.
- Kun sechs unterbrochen: Drei unterbrochene Yin-Linien ☷, tragend wie die Erde.
- Zhen aufrechte Schale: Wie eine aufrecht stehende Schale ☳ (zwei Yin-Linien oben, eine Yang-Linie unten).
- Xun unten unterbrochen: Unten ist eine unterbrochene Linie ☴ (zwei Yang-Linien oben, eine Yin-Linie unten).
- Kan Mitte voll: Die Mitte ist voll/ganz ☵ (Yin-Linien außen, Yang-Linie in der Mitte).
- Li Mitte hohl: Die Mitte ist hohl/unterbrochen ☲ (Yang-Linien außen, Yin-Linie in der Mitte).
- Gen umgedrehte Schale: Wie eine umgedrehte Schale ☶ (eine Yang-Linie oben, zwei Yin-Linien unten).
- Dui oben offen: Oben ist eine Öffnung ☱ (zwei Yang-Linien unten, eine Yin-Linie oben).
3. Die Anordnung der Trigramme: Vorhimmlisch und Nachhimmlisch
Es gibt zwei klassische Anordnungen der Trigramme:
Vorhimmlische Acht Trigramme (Fu Xi Bagua)
Diese Anordnung wird Fu Xi zugeschrieben und spiegelt die ursprüngliche Ordnung des Kosmos wider:
- Qian (Himmel) oben, Kun (Erde) unten
- Li (Sonne) links, Kan (Mond) rechts
- Dui oben links, Xun oben rechts, Zhen unten links, Gen unten rechts
Die vorhimmlischen Trigramme zeigen das Prinzip der Gegenüberstellung – Himmel und Erde nehmen ihre Plätze ein, Berge und Gewässer tauschen ihre Energien aus, Donner und Wind wirken aufeinander ein, Wasser und Feuer bekämpfen sich nicht. Sie sind statisch, gegensätzlich und wesensmäßig.
Nachhimmlische Acht Trigramme (König Wen Bagua)
Diese Anordnung wird König Wen von Zhou zugeschrieben und spiegelt den Fluss der Wandlungen in der manifestierten Welt wider:
- Li (Feuer) im Süden, Kan (Wasser) im Norden
- Zhen (Donner) im Osten, Dui (See) im Westen
- Xun im Südosten, Kun im Südwesten, Qian im Nordwesten, Gen im Nordosten
Die nachhimmlischen Trigramme zeigen das Prinzip des Zyklus – Der Herrscher (die wandelnde Kraft) geht hervor im Zhen, kommt in Einklang im Xun, wird sichtbar im Li, wirkt im Kun, erfreut im Dui, kämpft im Qian, müht sich im Kan und vollendet im Gen. Sie sind dynamisch, zyklisch und anwendungsbezogen.
Einfach ausgedrückt: Die vorhimmlischen Trigramme sind der "Weg des Himmels", die nachhimmlischen Trigramme sind die "Anwendung des Menschen". In Feng Shui, Astrologie und traditioneller chinesischer Medizin wird meist die nachhimmlische Anordnung verwendet.
4. Wie "berechnet" man mit den Trigrammen?
Durch Überlagerung der acht Trigramme (8x8) entstehen die 64 Hexagramme des I Ging. Jedes Hexagramm besteht aus sechs Linien (die oberen drei Linien heißen "oberes Trigramm" oder "äußeres Trigramm", die unteren drei "unteres Trigramm" oder "inneres Trigramm").
Bei einer Wahrsagung werden durch Methoden wie das Schafgarbenstäbchen-Orakel (Shé Shī) oder Münzwurf die Yin- und Yang-Linien bestimmt, bis man ein vollständiges Hexagramm erhält. Dieses wird dann im I Ging nachgeschlagen, um die Aussagen (Hexagrammtext und Linientexte) zu lesen und zu deuten.
Aber das I Ging ist weit mehr als ein Wahrsageinstrument – es ist ein philosophisches System, das die Gesetze der Wandlung und die Weisheit des rechten Zeitpunkts und Ortes lehrt.
5. Wie können Anfänger starten?
- Die acht Trigramme auswendig lernen: Nutzen Sie das "Bagua Quxiang Ge", um sie zu erkennen und zu zeichnen.
- Die Symbolik verstehen: Die natürlichen Entsprechungen (Himmel, Erde, Donner, Wind, Wasser, Feuer, Berg, See) sind der direkteste Zugang.
- Die Anordnung einprägen: Zeichnen Sie eine nachhimmlische Bagua-Karte zum ständigen Nachschlagen.
- Ein gutes Buch lesen: Empfehlenswert für den Einstieg sind "Zhouyi Yizhu" (Huang Shouqi, Zhang Shanwen) oder Nan Huajins "Über das I Ging".
- Täglich ein Hexagramm: Nehmen Sie sich täglich ein Hexagramm vor – ohne Eile, lassen Sie es langsam auf sich wirken.
Schlusswort
Die Trigramme wirken einfach – nur acht Symbole, drei Linien – doch sie tragen das jahrtausendealte chinesische Verständnis von Universum, Leben und Wandlung in sich. Es handelt sich nicht um mystisches Geschwätz, sondern um eine Denkweise, die Welt zu betrachten: Alles ist im Wandel, und diesem Wandel liegen Gesetzmäßigkeiten zugrunde.
Wer die Trigramme versteht, hat die Hälfte des I Ging verstanden. Die andere Hälfte liegt in den 64 Hexagrammen und vor allem im Leben selbst.
Geschrieben am 19. Mai 2026
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