Die beiden Grundzeichen Qian und Kun bilden den Ausgangspunkt der 64 Zeichen des I Ging und sind die fundamentalsten und bedeutendsten unter ihnen. Qian symbolisiert den Himmel, Kun die Erde – durch ihr Zusammenwirken entsteht alles Existierende im Universum. Das Verständnis dieser beiden Zeichen ist eine unerlässliche Grundlage für das Studium des I Ging.
Das Qian-Zeichen (䷀) besteht aus sechs durchgehenden (Yang-)Linien und trägt den Urteilstext "Ursprung, Gelingen, Fördernd, Beharrlichkeit". Diese vier Begriffe fassen die Kernbedeutung des Qian-Zeichens zusammen: "Ursprung" steht für den schöpferischen Anfang, "Gelingen" für freien Durchfluss, "Fördernd" für die rechte Art und "Beharrlichkeit" für Beständigkeit. Qian verkörpert schöpferische Kraft, aufstrebenden Geist und eine initiative Haltung. In der Natur repräsentiert es den Himmel, die Sonne und das Licht; im menschlichen Bereich den Herrscher, den Vater und die führende Rolle.
Das Kun-Zeichen (䷁) setzt sich aus sechs unterbrochenen (Yin-)Linien zusammen und trägt die Weissagung "Ursprung, Gelingen, fördernd ist die Beharrlichkeit der Stute". Kun verkörpert die Kraft des Empfangens, des Tragens und Nährens – gleich der Mutter Erde, die still alle Dinge nährt. "Große Tugend trägt die Welt" ist der Ausdruck des Kun-Prinzips. In der Natur steht Kun für die Erde, den Mond und die Dunkelheit; im Menschlichen für den Diener, die Mutter und den Folgenden.
Die Beziehung zwischen Qian und Kun veranschaulicht die philosophische Idee der wechselseitigen Abhängigkeit und Wirkung von Yin und Yang. Ohne Himmel verlöre die Erde Richtung und Antrieb; ohne Erde fände der Himmel keinen Halt und keine Verankerung. Wie es im Kommentar zur Entscheidung heißt: "Groß ist das schaffende Urprinzip Qian, von dem alle Wesen ihren Anfang haben" und "Vollkommen ist das empfangende Urprinzip Kun, das alle Wesen nährt". Erst im Zusammenwirken von Qian und Kun kann alles Leben entstehen.
In der Anordnung der 64 Zeichen folgt auf Qian und Kun unmittelbar das Zhun-Zeichen, das die schwierige Anfangsphase der Entstehung von Himmel und Erde und des beginnenden Lebens symbolisiert. Diese Reihenfolge offenbart die kosmologische Sicht des I Ging: Zuerst existieren Himmel und Erde, dann alle Dinge; zuerst die Schöpfung, dann das Wachstum; zuerst das Unwandelbare, dann das Wandelbare.
Die sechs Linien des Qian-Zeichens – von "Verborgener Drache: handle nicht" bis "Hochmütiger Drache: es gibt Reue" – beschreiben sechs Entwicklungsstadien, die sowohl für persönliches Wachstum als auch für berufliche Entwicklung wegweisend sind. Die sechs Linien des Kun-Zeichens, von "Betritt man Frost, so kommt festes Eis" bis "Drachen kämpfen auf der Heide", zeigen die Anwendung des nachgiebigen Prinzips in verschiedenen Phasen. Erst in der Verbindung beider – Stärke und Nachgiebigkeit im Einklang – ergibt sich ein vollständiger Weg, sich in der Welt zu bewegen.
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