Das Ji-Besiegt-Hexagramm (䷾) und das Noch-nicht-besiegt-Hexagramm (䷿) sind die letzten beiden der 64 Hexagramme des I Ging und repräsentieren jeweils den Zustand der Vollendung und den der Unvollendetheit einer Angelegenheit. Mit äußerst subtiler philosophischer Reflexion setzen diese beiden Hexagramme dem gesamten I Ging einen tiefsinnigen Schlusspunkt.
Beim Ji-Besiegt-Hexagramm befindet sich oben Kan (Wasser) und unten Li (Feuer). Wasser über Feuer kocht Nahrung und symbolisiert, dass eine Angelegenheit abgeschlossen und das Ziel erreicht ist. Der Hexagrammspruch lautet: "Gelingen im Kleinen, fördernd ist Beharrlichkeit. Anfangs Glück, am Ende Verwirrung", was bedeutet, dass nach anfänglichem Erfolg ohne Wachsamkeit am Ende Chaos eintreten kann.
Die sechs Linien des Ji-Besiegt-Hexagramms haben jeweils ihre eigene Bedeutung: Die erste Neun "hemmt die Räder" warnt davor, nach Vollendung nicht voreilig zu handeln; die Sechs auf zweitem Platz "die Frau verliert ihren Schleier" mahnt zur Sorgfalt im Detail; die Neun auf drittem Platz "Kaiser Gao Zong bekämpft die Dämonenregion" symbolisiert, dass Siege nicht leicht errungen werden, usw. Das gesamte Hexagramm lehrt, dass selbst wenn etwas als abgeschlossen erscheint, Wachsamkeit und sorgfältiger Abschluss nötig bleiben.
Beim Noch-nicht-besiegt-Hexagramm hingegen befindet sich oben Li (Feuer) und unten Kan (Wasser). Feuer über Wasser kann nicht brennen und symbolisiert eine unvollendete Angelegenheit. Dennoch beginnt der Hexagrammspruch mit "Gelingen", weil "Noch-nicht-besiegt" selbst die Möglichkeit des "Besiegens" in sich trägt. Dies ist die tiefgründigste Philosophie des I Ging: Dinge befinden sich stets im Wandel, es gibt kein wirkliches Ende.
Die Platzierung von Noch-nicht-besiegt als Abschluss der 64 Hexagramme verkörpert den Kern der Wandlungslehre des I Ging. Jeder scheinbar abgeschlossene Zustand ist in Wirklichkeit der Beginn eines neuen Zyklus. Das Aufeinanderfolgen von Ji-Besiegt und Noch-nicht-besiegt deutet an, dass auf Vollendung stets neue Aufgaben folgen, während Noch-nicht-besiegt selbst die Möglichkeit der Wandlung zu Ji-Besiegt birgt.
Diese dialektische Beziehung zwischen Ji-Besiegt und Noch-nicht-besiegt bietet tiefe Einsichten für unser Leben. Wenn wir Erfolg haben, sollten wir nicht übermütig werden, da neue Herausforderungen bereits warten; wenn wir Schwierigkeiten gegenüberstehen, sollten wir nicht mutlos sein, da im Wandel die Chance zur Wende liegt. Wie Laotse sagte: "Das Unglück ist das, worauf das Glück gestützt ist; das Glück ist das, worin das Unglück verborgen liegt.
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